"Solidarität mit dem Papst - Distanzierung von Williamson" - das sind auf der Seiten der Piusbrüderschaft in Deutschland zu lesen. Nein, antisemitisch will man nicht sein - das ist bäh .
Aber Schwulenfeindlichkeit geht immer. So wird die "Unschuldigeit der Seelen" gelobt, denn Homosexualität und aufreizende Kleidung sind dort verboten. Ich nenne mal die Fakten: Mugabe hat sein Land in Hungerkatastrophen und Inflation geführt - das Land ist wegen Menschenrechtsverletzungen international isoliert. Und Mugabe entdeckt die Ursache all des Elends: Es sind nicht die Juden, fast, aber Schwulen, die sich wie "Schweine benehmen". Und so startete er eine Haßkampagne, Homosexualität wird mit bis zu 7 Jahren Haft bestraft und Schwulenorganisationen wurden verboten.
Teilweise wird es wirklich grotesk: "In den Genen ist die Ursache der Homosexualität jedenfalls nicht zu suchen; Gene werden nämlich zugleich mit dem Leben weitergegeben. Die Homosexuellen geben aber kein Leben weiter. So müsste die Homosexualität längst ausgestorben sein, oder zumindest im Verschwinden begriffen sein. Das Gegenteil ist aber- so wird versichert - der Fall."
Ich empfehle die Lektüre wissenschaftlicher Untersuchungen über Verbreitung der Homosexualität und vielleicht auch die Lektüre evolutionstheorethischer Erklärungsmuster.
Mein Fazit: Keine Taliban, aber reaktionäre und der Aufklärung ablehnend eingestellte Fundamentalisten. Antisemtisch will man nicht sein, aber schwulenfeindlich ist man auf alle Fälle - typisch katholisch.
Montag, 9. Februar 2009
Donnerstag, 5. Februar 2009
Und wieder ein Beitrag zur "jüdisch-christlichen Tradition"
Die Aufhebung der Exkommunikation von Richard Willamson ist ein schöner Beitrag zur Thema „jüdisch christliche Tradition“. Dieses Konstrukt wird von Christen gerne bemüht, wenn es um die kulturellen Traditionen Mitteleuropas geht: Die Juden brachten uns Gott, die Römer das Recht und die Christen einen „neuen Bund“ Gottes mit den Menschen: Gott ist Liebe, denn Gott ist Mensch geworden!
In dieser Lesart wird auch ein Urteil über die jüdische Religion gefällt. Heute sagt zwar niemand mehr, dass das Judentum überholt sei, dass Gott die Juden für ihre Sünden verdammt hat – heute sind die Deutungen freundlicher, so dass auch die Juden die Chance haben, ihre Irrtümer einzusehen und sich zu Christen zu bekehren. Neben diesem ideengeschichtlichen und somit ideologischen Konstrukt hat gibt es aber auch eine real existierende jüdisch christliche Tradition – und zwar der Verfolgung: Antijudaismus im Mittelalter und Antijudaismus in der Neuzeit .
Ratzinger ist natürlich darüber erhaben, denn es geht ihm um etwas ganz anderes - nämlich um ein die Beseitigung eines "Schismas", denn der fragwürdige Bischoff wurde von Lefebvre geweiht, gegen den Willen des damaligen Papstes. Lefebvre ist ein "Traditionalist" und er wird auf Wikipedia erläutert:
Das durch diesen Reaktionär geschaffene "Schisma" muss aufgehoben werden - koste es was es wolle - auch wenn ein Holocaust-Leugner und Antisemit rehabiliert werden muss. Und somit ist nun wieder eine Seite im Kapitel der "jüdisch-christlichen Tradition" geschrieben worden.
Und was hat Ratzinger wirklich geritten? Eine Verbeugung gegenüber der katholischem Fundamentalismus? Oder ist es ein "Kollateralschaden" auf dem Wege der Erreichung der Einheit der katholischen Kirche? Oder wieder einmal ein ungeschickter Aussetzer Ratzingers? Aber auch in dubio pro Ratze gibt es nur eine Deutung: Heute braucht es noch nicht einmal antisemitischer Theologie zur Verbreitung des Antisemitismus.
In dieser Lesart wird auch ein Urteil über die jüdische Religion gefällt. Heute sagt zwar niemand mehr, dass das Judentum überholt sei, dass Gott die Juden für ihre Sünden verdammt hat – heute sind die Deutungen freundlicher, so dass auch die Juden die Chance haben, ihre Irrtümer einzusehen und sich zu Christen zu bekehren. Neben diesem ideengeschichtlichen und somit ideologischen Konstrukt hat gibt es aber auch eine real existierende jüdisch christliche Tradition – und zwar der Verfolgung: Antijudaismus im Mittelalter und Antijudaismus in der Neuzeit .
Ratzinger ist natürlich darüber erhaben, denn es geht ihm um etwas ganz anderes - nämlich um ein die Beseitigung eines "Schismas", denn der fragwürdige Bischoff wurde von Lefebvre geweiht, gegen den Willen des damaligen Papstes. Lefebvre ist ein "Traditionalist" und er wird auf Wikipedia erläutert:
„Wegen des Abfalls vom Glauben, der in Rom herrscht, müssen wir mit ansehen, wie die Seelen in Massen der Hölle zustreben. […] Der Atheismus beruht auf der Erklärung der Menschenrechte. Die Staaten, die sich seither zu diesem offiziellen Atheismus bekennen, befinden sich in einem Zustand dauernder Todsünde. […] Mit Recht können wir daher sagen, dass sich diese Massen zur Hölle hinabbewegen. […] Er will Gott bleiben, nicht nur im Himmel, sondern auch auf Erden. Deshalb will Er für seine Armee Soldaten.“
Das durch diesen Reaktionär geschaffene "Schisma" muss aufgehoben werden - koste es was es wolle - auch wenn ein Holocaust-Leugner und Antisemit rehabiliert werden muss. Und somit ist nun wieder eine Seite im Kapitel der "jüdisch-christlichen Tradition" geschrieben worden.
Und was hat Ratzinger wirklich geritten? Eine Verbeugung gegenüber der katholischem Fundamentalismus? Oder ist es ein "Kollateralschaden" auf dem Wege der Erreichung der Einheit der katholischen Kirche? Oder wieder einmal ein ungeschickter Aussetzer Ratzingers? Aber auch in dubio pro Ratze gibt es nur eine Deutung: Heute braucht es noch nicht einmal antisemitischer Theologie zur Verbreitung des Antisemitismus.
Sonntag, 25. Januar 2009
Vor dem Tod gemosert...
Günter Rohrmoser verfolgte mich meine ganze Jugend, da mein Sozialkundelehrer die Klasse sehr gerne Artikel des "großen Sozialphilosophen und Theologen" analysieren ließ. Und so habe ich auf Wikipedia einen Link auf ein schönes Zitat gefunden: Er wolle zwar nicht „frohlocken“, dass Volker Beck, „dem Hauptvertreter des deutschen Schwulentums“, im Mai 2006 beim Moscow Pride ins Gesicht g ins Gesicht geschlagen und er verletzt wurde, glaube aber, dass Russland dadurch 100.000 neue wonnen habe, weil es ein Land sei, das „Wir wollen es nicht“ sage und auch danach handle.
De mortuis nihil nisi bene, 'türlich, 'türlich... Ja, ich musste Rohrmoser lesen, als er noch als "hoch geachtet" galt. Später verlor er an Einfluss, da sich die Gesellschaft änderte. Ebenso änderten sich CDU und CSU - und so wandte er sich immer mehr den Republikanern zu, in die er Hoffnungen setzte. Und so wurde er als Intellektueller immer kompromissloser und brutaler, worin sich auch dieses Zitat zeigte.
Mich persönlich überrascht das nicht, da ich schon zu meiner Schulzeit glaubte, Elemente totalitären Denkens bei diesem "großen Denker" festgestellt habe - insofern ist er sich konsequent geblieben. Dennoch will ich keine Rohrmoser-Diskussion lostreten, denn ich bin der Meinung, die Gesellschaft soll ihn lieber schnell vergessen und auch die junge Generation in den Schulen hat andere Denker verdient.
Aber zurück zum Zitat: Wenn ich mich richtig erinnere, haben von der orthodoxen Kirche aufgehetzte Bürger und Nationalisten die homosexuellen Demonstranten angegriffen. Es ist dieselbe vergiftete Stimmung, unter denen auch die Juden zu leiden haben, als zum Beispiel 2006 ein Skinhead mit einem Messer eine jüdische Demagoge stürmte.
Kommt einem das nicht bekannt vor? Haß und Gewalt gegen Minderheiten? Christlicher und nationalistischer Fanatismus? Pardon, nein, im Sinne eines Rohrmosers sollten uns genau davon eine Scheibe abschneiden:
Frohlocken will Rohrmoser nicht darüber, aber es schon gut, wenn aufgehetzte Bürger so handeln. Obwohl ich im "tiefen Denken" nicht so geschult bin wie Herr Rohrmoser, will ich mal eine Gegentheorie aufstellen:
De mortuis nihil nisi bene, 'türlich, 'türlich... Ja, ich musste Rohrmoser lesen, als er noch als "hoch geachtet" galt. Später verlor er an Einfluss, da sich die Gesellschaft änderte. Ebenso änderten sich CDU und CSU - und so wandte er sich immer mehr den Republikanern zu, in die er Hoffnungen setzte. Und so wurde er als Intellektueller immer kompromissloser und brutaler, worin sich auch dieses Zitat zeigte.
Mich persönlich überrascht das nicht, da ich schon zu meiner Schulzeit glaubte, Elemente totalitären Denkens bei diesem "großen Denker" festgestellt habe - insofern ist er sich konsequent geblieben. Dennoch will ich keine Rohrmoser-Diskussion lostreten, denn ich bin der Meinung, die Gesellschaft soll ihn lieber schnell vergessen und auch die junge Generation in den Schulen hat andere Denker verdient.
Aber zurück zum Zitat: Wenn ich mich richtig erinnere, haben von der orthodoxen Kirche aufgehetzte Bürger und Nationalisten die homosexuellen Demonstranten angegriffen. Es ist dieselbe vergiftete Stimmung, unter denen auch die Juden zu leiden haben, als zum Beispiel 2006 ein Skinhead mit einem Messer eine jüdische Demagoge stürmte.
Kommt einem das nicht bekannt vor? Haß und Gewalt gegen Minderheiten? Christlicher und nationalistischer Fanatismus? Pardon, nein, im Sinne eines Rohrmosers sollten uns genau davon eine Scheibe abschneiden:
Wir brauchen nicht nur russisches Öl, sondern wir brauchen diesen russischen Konservativismus als Gegengewicht gegen die liberale Dekadenz, die sich bei uns ausbreitet. (siehe Quelle).Wohin Hass gegen Minderheiten führen kann, hat der Träger des Bundesverdienstordens und einer der "größtes politischen Denker", die er in Anthologien gehandelt wird, wohl vergessen. Dass Rohrmoser von Menschen spricht, denen das Recht auf Liebe abgesprochen wird, ebenso. Es ist eben das Elend des christlichen Konservativismus, dass ihm die Ehrfurcht vor menschlichem Leben schnell abhanden kommt, hat es erst einmal den ungeborenen Zustand verlassen. Dann droht die Dekadenz, die dann ein Ende findet durch Diskriminierung und notfalls Springerstiefeln.
Frohlocken will Rohrmoser nicht darüber, aber es schon gut, wenn aufgehetzte Bürger so handeln. Obwohl ich im "tiefen Denken" nicht so geschult bin wie Herr Rohrmoser, will ich mal eine Gegentheorie aufstellen:
- Mit dem Verlust des Mitleids und des Mitgefühls verroht das menschliche Urteilsvermögen.
- Indem man nicht mehr Menschen und menschliche Bedürfnisse betrachtet, sondern diese nur unter die Abstraktion "Dekadenz" subsumiert, verroht der menschliche Verstand.
- Wenn man ein politisches Ziel nicht mehr durch Argumente erreichen kann und die Gewaltakte aufgehetzter Nationalisten und Christen nicht mehr empörend findet, dann ist auch die politische Verrohung erreicht.
Sonntag, 18. Januar 2009
Selbstmord als Ausweg
In diversen Postings habe ich mich gegen den Selbstmord ausgesprochen. Mein Argument war, dass Bilanzierung des gelebten Lebens gegenüber dem ungelebten Rest in der Regel nicht durchführbar ist.
Ich möchte dies noch einmal an einem Beispiel diskutieren, indem ein Selbstmordversuch tatsächlich eine Verbesserung mit sich brachte: Ein Bekannter litt an schweren, chronischen Schmerzen, die nicht diagnostiziert und nicht behandelt werden konnten, obwohl er Spezialisten in aller welt aufsuchte. Irgendwann wollte er sich as Leben nehmen, wurde aber gerettet. In der nachfolgenden psychatrischen Behandlung bekam er Psychopharmaka, die die Schmerzen verschwinden ließen - und seine Lebensqualität hat sich erhöht.
Nur ist dies kein Beispiel, dass ein Selbstmordversuch sinnvoll ist. mein Bekannter hatte Glück. Es wäre möglich gewesen, dass er früher oder später auch Glück gehabt hätte, und ein Arzt ihm ein solches Medikament verschrieben hätte, das seine Leiden erleichtert. Es hätte auch paassieren können, dass er korrekt diagnostiziert wird oder seine Schmerzen von allein verschwinden. Tatsächlich kann ich die Entscheidung meines Bekannten nachvollziehen, dennoch glaube ich nciht, dass Selbstmord eine Chance ist.
Ich möchte dies noch einmal an einem Beispiel diskutieren, indem ein Selbstmordversuch tatsächlich eine Verbesserung mit sich brachte: Ein Bekannter litt an schweren, chronischen Schmerzen, die nicht diagnostiziert und nicht behandelt werden konnten, obwohl er Spezialisten in aller welt aufsuchte. Irgendwann wollte er sich as Leben nehmen, wurde aber gerettet. In der nachfolgenden psychatrischen Behandlung bekam er Psychopharmaka, die die Schmerzen verschwinden ließen - und seine Lebensqualität hat sich erhöht.
Nur ist dies kein Beispiel, dass ein Selbstmordversuch sinnvoll ist. mein Bekannter hatte Glück. Es wäre möglich gewesen, dass er früher oder später auch Glück gehabt hätte, und ein Arzt ihm ein solches Medikament verschrieben hätte, das seine Leiden erleichtert. Es hätte auch paassieren können, dass er korrekt diagnostiziert wird oder seine Schmerzen von allein verschwinden. Tatsächlich kann ich die Entscheidung meines Bekannten nachvollziehen, dennoch glaube ich nciht, dass Selbstmord eine Chance ist.
Selbstmorde schwuler Jugendlicher
Es werden Statistiken zitiert, in denen 18% aller schwulen Jugendlichen einen Selbstmordversuch hinter sich haben. Michael Schmidpeter hat sich das Leben genommen:
Dieser Fall ist tragisch und ein Beispiel, wie viel in dieser Gesellschaft sich noch ändern muss. Schwule Jugendliche brauchen Identifikationsfiguren, ein Umfeld, das sie akzeptiert. Wenn Sie in emotionalen Krisen sind, muss es Menschen geben, denen sie sich anvertrauen können, die Verständnis für sie entwickeln. Die Gründe sind einfach: Die "erste Liebe" und Liebeskummer sind für alle Jugendlichen einschneidende Erfahrungen. Wenn sie in einem gesellschaftlichen Umfeld stattfinden, in dem es Repressionen gibt, droht die Katastrophe. Die Jugendlichen sehen nicht, wie das Leben weitergehen soll. Alles bricht um sie zusammen: Mit dem gescheiterten Coming-Out ist das Scheitern des eigenen Selbstbildes und des Selbstwerts verbunden, vielleicht Ächtung im gesellschaftlichen Umfeld, vielleicht auch unerwiderte Liebe.
Lösungen gibt es aber in den meisten Fällen. In den schlimmsten Fällen muss man sein Leben in die Hand nehmen, den Freundeskreis wechseln und vielleicht in eine andere Stadt ziehen. Dazu braucht es Kraft, Reife und auch Unterstützung - es ist aber in den meisten Fällen objektiv machbar.
Die Jugendlichen machen aber leider etwas anderes, indem sie anfangen zu bilanzieren:
Jugendliche wollen eine Bilanz aufstellen und ihr Leben in den ersten Lebensjahren mit dem vergleichen, was noch auf sie zukommen wird. Sie haben aber oft nicht die Erfahrung zu erkennen, was das Leben für sie bietet. Zudem wird diese "Bilanzierung" oftmals in einem Zustand emotionaler Instabilität ausgeführt und ist deswegen weit davon entfernt, objektiv zu sein.
Wie soll eine Gesellschaft damit umgehen? Die christliche Kultur tabuisiert den Selbstmord und meiner Ansicht ist dieses Tabu bis auf die religiöse Begründung auch sinnvoll. Gleichzeitig muss man aber auch den Fall von Krankheit und körperlichen Schmerzen neu diskutieren. Wenn es darum geht, ein bestehendes Leid zu mindern, halte ich den Selbstmord für denkbar.
Im Augenblick findet aber wenig vom statt. Stattdessen hält die Gesellschaft an fragwürdigen Dogmen fest:
Ein gutes Beispiel, dass "Bilanzierungen" über erlittenes Leid gegenüber dem zukünftigen Leben sinnlos sind, zeigen die tragischen Beispiele der Selbstmorde schwuler und lesbischer Jugendlicher. Natürlich kann eine Situation ausweglos erscheinen, aber niemand kann wissen, was das Leben bringt. Niemand sagt, dass es besser sein wird - vielleicht wird es das aber. Meiner Erfahrung ist das Leben eine Mischung aus guten und schlechten Lebensphasen. Wichtig ist, dass wir versuchen, unsere und die Lebensumstände der anderen zu verbessern. Und erst im Angesicht der absoluten Auswegslosigkeit sollten wir den Weg des Freitods wählen.
"Michael Schmidpeter war gerade mal 17 Jahre alt, als er am 07.06.2006 den Freitod wählte. Er war ein intelligenter, lebenslustiger Junge, mit dem ehrgeizigen Ziel Fußballschiedsrichter zu werden, bis er sich plötzlich in einen gleichaltrigen Schulkameraden verliebte. Michael war einer von vielen, die im Coming-Out-Prozess keinen Ausweg mehr fanden. "Aus diesem tragischen Fall ist eine bemerkenswerte Initiative erwachsen: http://www.schmidpeter-preis.de/ .
Dieser Fall ist tragisch und ein Beispiel, wie viel in dieser Gesellschaft sich noch ändern muss. Schwule Jugendliche brauchen Identifikationsfiguren, ein Umfeld, das sie akzeptiert. Wenn Sie in emotionalen Krisen sind, muss es Menschen geben, denen sie sich anvertrauen können, die Verständnis für sie entwickeln. Die Gründe sind einfach: Die "erste Liebe" und Liebeskummer sind für alle Jugendlichen einschneidende Erfahrungen. Wenn sie in einem gesellschaftlichen Umfeld stattfinden, in dem es Repressionen gibt, droht die Katastrophe. Die Jugendlichen sehen nicht, wie das Leben weitergehen soll. Alles bricht um sie zusammen: Mit dem gescheiterten Coming-Out ist das Scheitern des eigenen Selbstbildes und des Selbstwerts verbunden, vielleicht Ächtung im gesellschaftlichen Umfeld, vielleicht auch unerwiderte Liebe.
Lösungen gibt es aber in den meisten Fällen. In den schlimmsten Fällen muss man sein Leben in die Hand nehmen, den Freundeskreis wechseln und vielleicht in eine andere Stadt ziehen. Dazu braucht es Kraft, Reife und auch Unterstützung - es ist aber in den meisten Fällen objektiv machbar.
Die Jugendlichen machen aber leider etwas anderes, indem sie anfangen zu bilanzieren:
- "Werde ich das Leben in meiner Gemeinschaft, der Familie, dem Schulverband weiterführen können?"
- "Werde ich wieder Freunde finden?"
- "Werde ich jemals wieder eine Liebe finden?"
- "Werde ich meine Lebensperspektive verwirklichen können?"
Jugendliche wollen eine Bilanz aufstellen und ihr Leben in den ersten Lebensjahren mit dem vergleichen, was noch auf sie zukommen wird. Sie haben aber oft nicht die Erfahrung zu erkennen, was das Leben für sie bietet. Zudem wird diese "Bilanzierung" oftmals in einem Zustand emotionaler Instabilität ausgeführt und ist deswegen weit davon entfernt, objektiv zu sein.
Wie soll eine Gesellschaft damit umgehen? Die christliche Kultur tabuisiert den Selbstmord und meiner Ansicht ist dieses Tabu bis auf die religiöse Begründung auch sinnvoll. Gleichzeitig muss man aber auch den Fall von Krankheit und körperlichen Schmerzen neu diskutieren. Wenn es darum geht, ein bestehendes Leid zu mindern, halte ich den Selbstmord für denkbar.
Im Augenblick findet aber wenig vom statt. Stattdessen hält die Gesellschaft an fragwürdigen Dogmen fest:
- Es wird uns eingeredet, dass auch bei den schwersten Erkrankungen Schmerzmittel wirksam helfen, was nicht immer stimmt. Wenn es Hilfen gibt (und Krebspatienten berichten oft, dass ihnen Haschisch hilft), wird es nicht zugelassen.
- "Moralische Institutionen" wie der Papst leisten der Diskriminierung vorschub.
- Psychische Erkrankungen werden pathologisiert. Wir lernen nicht, wie wir mit depressiven Menschen umgehen müssen, obwohl diese Krankheit weit verbreitet ist.
Ein gutes Beispiel, dass "Bilanzierungen" über erlittenes Leid gegenüber dem zukünftigen Leben sinnlos sind, zeigen die tragischen Beispiele der Selbstmorde schwuler und lesbischer Jugendlicher. Natürlich kann eine Situation ausweglos erscheinen, aber niemand kann wissen, was das Leben bringt. Niemand sagt, dass es besser sein wird - vielleicht wird es das aber. Meiner Erfahrung ist das Leben eine Mischung aus guten und schlechten Lebensphasen. Wichtig ist, dass wir versuchen, unsere und die Lebensumstände der anderen zu verbessern. Und erst im Angesicht der absoluten Auswegslosigkeit sollten wir den Weg des Freitods wählen.
Donnerstag, 15. Januar 2009
Sex & Liebe
Ich habe Probleme Sexualität und Liebe zu trennen. Wenn ich einen Menschen sympathisch finde, stellen sich auch meist Gefühle ein. Mein Ehemann hat dieses Problem interessanterweise nicht: Er kann Sex & Liebe gut trennen.
Ich habe das bei unserem Dreier mit David gemerkt. Für meinen Mann war das Thema schnell erledigt, und ich musste in den kommenden Tagen an den Kerl denken. Zwar waren diese Gefühle noch weit von Liebe entfernt, aber vielleicht hätten sich Gefühle entwickeln können, wenn wir noch häufiger miteinander geschlafen hätten und wenn das Zwischenmenschliche gestimmt hätte.
Aber ich kann mit einer solchen Situation umgehen, wenn ich Abstand nehme. Ich beschäftige mich mit meinem Partner und unternehme viel mit ihm, und schon bin ich mit meinen Gefühlen im Reinen. Ich muss mich also zwingen, keine tieferen Gefühle in der offenen Beziehung zuzulassen.
Wenn ich aber Gefühle zulasse, entsteht ein emotionales Chaos, unter dem ich am meisten leide. Für mich bedeutet Treue, dass ich in jedem Moment weiß, zu wem ich gehöre. Ich habe nicht die Kraft für zwei Partner und fühle mich persönlich schlecht, wenn ich „zwischen den Stühlen“ stehe und mich meinem Ehemann nicht voll widmen kann.
Sex mit einem Dritten ist für mich Schönsten, wenn ich den anderen sympathisch finde, aber nicht die Gefahr besteht, dass ich mich verliebe.
Ich habe das bei unserem Dreier mit David gemerkt. Für meinen Mann war das Thema schnell erledigt, und ich musste in den kommenden Tagen an den Kerl denken. Zwar waren diese Gefühle noch weit von Liebe entfernt, aber vielleicht hätten sich Gefühle entwickeln können, wenn wir noch häufiger miteinander geschlafen hätten und wenn das Zwischenmenschliche gestimmt hätte.
Aber ich kann mit einer solchen Situation umgehen, wenn ich Abstand nehme. Ich beschäftige mich mit meinem Partner und unternehme viel mit ihm, und schon bin ich mit meinen Gefühlen im Reinen. Ich muss mich also zwingen, keine tieferen Gefühle in der offenen Beziehung zuzulassen.
Wenn ich aber Gefühle zulasse, entsteht ein emotionales Chaos, unter dem ich am meisten leide. Für mich bedeutet Treue, dass ich in jedem Moment weiß, zu wem ich gehöre. Ich habe nicht die Kraft für zwei Partner und fühle mich persönlich schlecht, wenn ich „zwischen den Stühlen“ stehe und mich meinem Ehemann nicht voll widmen kann.
Sex mit einem Dritten ist für mich Schönsten, wenn ich den anderen sympathisch finde, aber nicht die Gefahr besteht, dass ich mich verliebe.
Montag, 12. Januar 2009
„Jahwe will den Völkermord“
Diese Parole wurde auf anti-israelischen Demonstrationen in Europa skandiert. Ein Atheist kann über eine solche Parole nur den Kopf schüttelt. Weil es keinen Jahwe gibt (ebenso wenig wie Zeus, Allah oder Mithras), kann er auch nichts wollen. Es gibt aber religiöse Schriften, in denen viel gefährlicher Unsinn steht und ebenso fanatische Gläubige.
Ja, und es gibt auch Juden, die gerne einen Völkermord an Feinden Israels sehen würden, und es gibt auch Juden, die dem Raketenbeschuss der Hamas ein Ende bereiten und sich verteidigen wollen, und es gibt auch Juden, die den Krieg mit der Hamas für keine geeignete Maßnahme halten. Und was will Jahwe? Mir ist das ehrlich gesagt egal. Ich kritisiere etwas anderes: Das Hassgeschichten in religiösen Büchern stehen und das Gläubige sich immer noch mit diesem Mist auseinandersetzen, anstatt moralische Entscheidungen auf rationaler Basis zu treffen.
Ja, und es gibt auch Juden, die gerne einen Völkermord an Feinden Israels sehen würden, und es gibt auch Juden, die dem Raketenbeschuss der Hamas ein Ende bereiten und sich verteidigen wollen, und es gibt auch Juden, die den Krieg mit der Hamas für keine geeignete Maßnahme halten. Und was will Jahwe? Mir ist das ehrlich gesagt egal. Ich kritisiere etwas anderes: Das Hassgeschichten in religiösen Büchern stehen und das Gläubige sich immer noch mit diesem Mist auseinandersetzen, anstatt moralische Entscheidungen auf rationaler Basis zu treffen.
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