Donnerstag, 5. Februar 2009

Und wieder ein Beitrag zur "jüdisch-christlichen Tradition"

Die Aufhebung der Exkommunikation von Richard Willamson ist ein schöner Beitrag zur Thema „jüdisch christliche Tradition“. Dieses Konstrukt wird von Christen gerne bemüht, wenn es um die kulturellen Traditionen Mitteleuropas geht: Die Juden brachten uns Gott, die Römer das Recht und die Christen einen „neuen Bund“ Gottes mit den Menschen: Gott ist Liebe, denn Gott ist Mensch geworden!

In dieser Lesart wird auch ein Urteil über die jüdische Religion gefällt. Heute sagt zwar niemand mehr, dass das Judentum überholt sei, dass Gott die Juden für ihre Sünden verdammt hat – heute sind die Deutungen freundlicher, so dass auch die Juden die Chance haben, ihre Irrtümer einzusehen und sich zu Christen zu bekehren. Neben diesem ideengeschichtlichen und somit ideologischen Konstrukt hat gibt es aber auch eine real existierende jüdisch christliche Tradition – und zwar der Verfolgung: Antijudaismus im Mittelalter und Antijudaismus in der Neuzeit .

Ratzinger ist natürlich darüber erhaben, denn es geht ihm um etwas ganz anderes - nämlich um ein die Beseitigung eines "Schismas", denn der fragwürdige Bischoff wurde von Lefebvre geweiht, gegen den Willen des damaligen Papstes. Lefebvre ist ein "Traditionalist" und er wird auf Wikipedia erläutert:
„Wegen des Abfalls vom Glauben, der in Rom herrscht, müssen wir mit ansehen, wie die Seelen in Massen der Hölle zustreben. […] Der Atheismus beruht auf der Erklärung der Menschenrechte. Die Staaten, die sich seither zu diesem offiziellen Atheismus bekennen, befinden sich in einem Zustand dauernder Todsünde. […] Mit Recht können wir daher sagen, dass sich diese Massen zur Hölle hinabbewegen. […] Er will Gott bleiben, nicht nur im Himmel, sondern auch auf Erden. Deshalb will Er für seine Armee Soldaten.“

Das durch diesen Reaktionär geschaffene "Schisma" muss aufgehoben werden - koste es was es wolle - auch wenn ein Holocaust-Leugner und Antisemit rehabiliert werden muss. Und somit ist nun wieder eine Seite im Kapitel der "jüdisch-christlichen Tradition" geschrieben worden.

Und was hat Ratzinger wirklich geritten? Eine Verbeugung gegenüber der katholischem Fundamentalismus? Oder ist es ein "Kollateralschaden" auf dem Wege der Erreichung der Einheit der katholischen Kirche? Oder wieder einmal ein ungeschickter Aussetzer Ratzingers? Aber auch in dubio pro Ratze gibt es nur eine Deutung: Heute braucht es noch nicht einmal antisemitischer Theologie zur Verbreitung des Antisemitismus.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen