De mortuis nihil nisi bene, 'türlich, 'türlich... Ja, ich musste Rohrmoser lesen, als er noch als "hoch geachtet" galt. Später verlor er an Einfluss, da sich die Gesellschaft änderte. Ebenso änderten sich CDU und CSU - und so wandte er sich immer mehr den Republikanern zu, in die er Hoffnungen setzte. Und so wurde er als Intellektueller immer kompromissloser und brutaler, worin sich auch dieses Zitat zeigte.
Mich persönlich überrascht das nicht, da ich schon zu meiner Schulzeit glaubte, Elemente totalitären Denkens bei diesem "großen Denker" festgestellt habe - insofern ist er sich konsequent geblieben. Dennoch will ich keine Rohrmoser-Diskussion lostreten, denn ich bin der Meinung, die Gesellschaft soll ihn lieber schnell vergessen und auch die junge Generation in den Schulen hat andere Denker verdient.
Aber zurück zum Zitat: Wenn ich mich richtig erinnere, haben von der orthodoxen Kirche aufgehetzte Bürger und Nationalisten die homosexuellen Demonstranten angegriffen. Es ist dieselbe vergiftete Stimmung, unter denen auch die Juden zu leiden haben, als zum Beispiel 2006 ein Skinhead mit einem Messer eine jüdische Demagoge stürmte.
Kommt einem das nicht bekannt vor? Haß und Gewalt gegen Minderheiten? Christlicher und nationalistischer Fanatismus? Pardon, nein, im Sinne eines Rohrmosers sollten uns genau davon eine Scheibe abschneiden:
Wir brauchen nicht nur russisches Öl, sondern wir brauchen diesen russischen Konservativismus als Gegengewicht gegen die liberale Dekadenz, die sich bei uns ausbreitet. (siehe Quelle).Wohin Hass gegen Minderheiten führen kann, hat der Träger des Bundesverdienstordens und einer der "größtes politischen Denker", die er in Anthologien gehandelt wird, wohl vergessen. Dass Rohrmoser von Menschen spricht, denen das Recht auf Liebe abgesprochen wird, ebenso. Es ist eben das Elend des christlichen Konservativismus, dass ihm die Ehrfurcht vor menschlichem Leben schnell abhanden kommt, hat es erst einmal den ungeborenen Zustand verlassen. Dann droht die Dekadenz, die dann ein Ende findet durch Diskriminierung und notfalls Springerstiefeln.
Frohlocken will Rohrmoser nicht darüber, aber es schon gut, wenn aufgehetzte Bürger so handeln. Obwohl ich im "tiefen Denken" nicht so geschult bin wie Herr Rohrmoser, will ich mal eine Gegentheorie aufstellen:
- Mit dem Verlust des Mitleids und des Mitgefühls verroht das menschliche Urteilsvermögen.
- Indem man nicht mehr Menschen und menschliche Bedürfnisse betrachtet, sondern diese nur unter die Abstraktion "Dekadenz" subsumiert, verroht der menschliche Verstand.
- Wenn man ein politisches Ziel nicht mehr durch Argumente erreichen kann und die Gewaltakte aufgehetzter Nationalisten und Christen nicht mehr empörend findet, dann ist auch die politische Verrohung erreicht.

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