Donnerstag, 8. Januar 2009

Selbstmordversuche schwuler Männer

Viele meiner schwulen Freunde und Bekannten haben schon Selbstmordversuche hinter sich. Die statistische Häufung wundert mich nicht, denn die Lebenssituationen von schwulen Männern sind oft schwierig. Oft leben die Männer in einem sehr konservativen Umfeld und können sich nicht selbst verwirklichen, teilweise sind sie gesellschaftlichen Repressionen ausgesetzt.

Mich macht so etwas wütend. Ich bin wütend auf eine Gesellschaft, die schwule Lebensweisen immer noch nicht akzeptiert und auch auf die katholische Kirchen, die Homosexualität als Verstoß unter „Humanökologie“ abtun, wie Papst Benedikt es vor einigen Tagen getan hat. Ich befürchte, dass antihomosexuelle Propaganda Wirkung hat.

Auf der anderen Seite bin ich wütend auf meine Bekannten. Wenn sie nicht glücklich mit ihrem Leben sind, sollen sie doch was daran ändern. Wer außer dem „Traummann“ keine anderen Beziehungen und zu keinen Kompromissen bereit ist, braucht sich nicht zu wundern, wenn er Liebeskummer hat. Wer an seinem stock-religiös geprägten gesellschaftlichen Umfeld zerbricht, der soll sich einen anderen Freundeskreis suchen und im schlimmsten Fall wegziehen.

In der TAZ vom 8.1.09 habe ich einen guten Artikel „Selbstmord als letzte Waffe“ gelesen, den Ulrike Herrmann über den Tod von Adolf Merckle geschrieben hat. In einigen Sätzen beschreibt sie ihre Sicht von Selbstmorden:

„Selbstmord ist eine radikale Selbstermächtigung, denn es wird keinerlei Rücksicht genommen. Nicht auf die Angehörigen und nicht auf den Zugfahrer, der damit zurechtkommen muss, zum Tötungsinstrument degradiert worden zu sein. Selbstmord ist immer auch Provokation: Familie und Gesellschaft wird die Fähigkeit abgesprochen, zu helfen und zu verstehen.

Wenn man den Suizid als Machtinstrument liest, als letzte Waffe, dann lässt sich vielleicht erklären, warum sich vielleicht deutlich mehr Männer umbringen als Frauen. Selbstermächtigung passt besser in ihr Rollenbild. Die komplementäre Deutung wäre, dass es Frauen vielleicht leichter fällt, Hilfsangebote zu erkennen und anzunehmen.“


Ich sehe es genauso: Selbstmord ist Feigheit, denn man traut sich nicht, Probleme anzugehen. Selbstmord ist Narzissmus, denn man traut sich nicht, Schwächen zuzugeben. Selbstmord aus Liebeskummer ist immer ein Angriff gegen denjenigen, der die Liebe nicht erwidert hat. Respekt vor dem Freitod habe ich nicht.

1 Kommentar:

  1. Ich erlaube mir, statt hier mühsam Buchstaben zu tippen, auf einen früheren Post hinzuweisen, in dem ich meine abweichende Sicht der Dinge dargelegt habe.

    http://stevenmilverton.com/2008/01/28/uberlebender/

    Herzlichst,

    TGD

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