Der Grund besteht darin, dass es den Konventionen der romantischen Liebe widerspricht. Mit viele anderen Pärchen, die in einer offenen Beziehung lebten, konnte ich mich nicht identifizieren. Sie lebten promisk, trieben sich in Lederbars herum. Dort schienen sie alle zu kennen: Sie umarmten andere mit Küsschen – offenbar schien jeder was mit jedem gehabt zu haben. Mich widerte das an, denn diese Männer standen für alles, was ich nicht wollte: Untreue, Zügellosigkeit, Promiskuität. Ich erinnere mich noch an eine Party, bei die Anwesenden über nichts anderes als Sex zu sprechen schienen, was ich als völlige Vereinseitigung ansah: Das Leben besteht doch aus so vielen Dingen, die wichtiger sind als Sex.
Trotzdem ist es problematisch darüber zu urteilen. Ich bringe ein paar falsche Urteile, die ich in diesem Zusammenhang oft höre: "Ich kann mit das nicht vorstellen. Ich könnte nicht so leben." Dagegen ist erst einmal nichts zu sagen - aber heißt es denn, dass dies so bleiben muss? Weißt Du, wie Du nach 10 oder 20 Jahren Beziehung über das Thema denken wirst? Was passiert, wenn Du mehr sexuelle Bedürfnisse hast als Dein Partner? Was ist, wenn die Geilheit der ersten Monate sich langsam in das Gefühl der Vertrautheit wandelt? Was passiert, wenn Du plötzlich sexuelle Neigungen entdeckst, die Dein Partner nicht teilt?
Ich glaube, dass viele schwule Beziehungen monogam beginnen, wobei sich dann die Definition der Monogamie ändert: Man geht zusammen in schwule Saunen oder hat Dreier. Und im Laufe der Zeit wird eine Beziehung immer offener. Das ist auch nicht verwunderlich: Zuerst ist man sehr aufeinander fixiert, aber im Laufe der Zeit ändern sich die Gefühle, die Menschen und auch die Liebe zwischen beiden Männern und es entsteht eine große Vertrautheit. Es ist entscheidend, wie die Partner damit umgehen und es schaffen, ihre Beziehung den sich verändernden Umständen zu verändern.
Ich möchte das obige Zitat von Darwin abwandeln: "Es ist nicht die stärkste Liebe noch die Vernunftehe, die auf Dauer bestand hat. Es ist die Beziehung, die sich am Besten auf den Wandel einstellen kann."Natürlich ist Sexualität nur ein Aspekt dieses Wandels; andere Aspekte stehen im Vordergrund wie tiefen Respekt und Verständnis für die Marotten des Anderen.
Aber während wir das noch verstandesmäßig begreifen, sind wir im Gebiet der Sexualität ost hilflos, da die Sexualität ein unglaublicher starker und egoistischer Trieb ist. Wie sieht das in der Praxis aus? Mein Mann und ich erlebten den ersten Dreier vor vielleicht 5 Jahren. Ein Freund war eingeladen, und nach einigen Gläsern Sekt waren wir in einer sehr erregten Stimmung. Wir streichelten und küssten uns und schon nach kurzer Zeit lagen wir zusammen Bett. Unser Freudn lag auf dem Rücken und ich drang in ihn ein. Schon nach kurzer Zeit spürte ich, wie mein Ehemann ebenfalls in mich eindrang und ich erlebte die wohl stärksten sexuellen Gefühle meiens Lebens. Und so öffnete sich unsere Beziehung und wir begannen Abenteuer - zusammen, aber auch allein. Diese Zeit dauerte einige Jahre und endete damit, dass ich meinen Mann bat, die offene Beziehung zu beenden und wieder monogam zu leben. Was war passiert? Ich habe gemerkt, dass sich aus einer sexuellen Beziehung von mir eine Affaire zu entwickeln drohte, was ich als Gefahr für meine Lebenspartnerschaft ansah.
Ich habe nun Jahre Zeit gehabt, um über mich nachzudenken und auch meine Probleme, Sex und Liebe voneinander zu trennen. Ich hoffe nun, dass ich in den letzten Jahren nicht nur älter sondern auch reifer geworden bin. Aber darüber später mehr...

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